Hunger süß - Durst heiß

Veripans erster Kuchenladen in Zürich
Mit „Cakefriends“ präsentiert der Schweizer Flüssigteigproduzent Veripan ein neues Gastronomiekonzept und bietet in seinem ersten Flagshipstore in Zürich frisch Gebackenes dem Endkunden an.

Süße oder salzige Kuchen, heiße oder warme Getränke, frische Salate. Zum Essen vor Ort oder zum Mitnehmen. Eine kleine, aber feine Speisekarte in einem kleinen, aber feinen Lokal, ein paar Gehminuten vom Zürichsee entfernt. Seit April empfängt Cakefriends neugierige Kuchenfreunde und möchte durch die hochwertige Zubereitung der Speisen und eine anspruchsvolle Innenraumgestaltung sowohl den kulinarischen als auch den gestalterischen Appetit seiner Gäste anregen. Projektleiter war der Schweizer Roger Bächtold vom Züricher Architekturbüro „P.5“, der in kürzester Zeit – knapp sechs Monate vom Vorprojekt bis zur Lokaleröffnung – eine Cakefriends-„Welt“ in einem historischen Gebäude aus dem 16. Jahrhundert schuf.

Die richtige Rezeptur
Bächtold war den Auftraggebern bereits durch andere Projekte in Zürich bekannt, bei denen es galt, ein komplexes Gastronomiekonzept auf engstem Raum zu realisieren. Bei Cakefriends, dem ersten Flagshipstore des Flüssigteigproduzenten Veripan, ging es darum, die Wertigkeit der Produkte – ohne Konservierungsstoffe, Emulgatoren, Stabilisatoren und Feuchthaltemittel – in einen passenden gestalterischen Kontext zu setzen. Außerdem suchte das Unternehmen nach einer Möglichkeit, neue Teigrezepturen direkt vom Endkunden testen zu lassen, was bei seinen langjährigen Großabnehmern – zwei Schweizer Supermarktketten – nicht erwünscht ist. „Es geht Veripan darum, ein Schaufenster zu haben, in dem es seinen Endverbrauchern jederzeit neue Produktideen vorstellen kann“, so der Projektleiter.
Bächtold unterteilte das Lokal in Service- und Gastbereich, was sich durch den L-förmigen Grundriss auf natürliche Weise ergab. Im unteren Abschnitt, der etwa 50 Quadratmeter umfasst, befindet sich das Restaurant, im schmalen, lang gestreckten Abschnitt der Laden mit Take-away-Service und Straßenverkauf. Die Trennwände zwischen Service- und Gastbereich sind stellenweise unterbrochen. Das ermöglicht dem Gast, jederzeit einen Blick in die Küche und damit auf die Zubereitung der Speisen zu werfen, die täglich frisch erfolgt. Auf zwei Flachbildschirmen, die an den Trennwänden zum Gastbereich hin angebracht sind, lässt sich zudem der Backvorgang mit Angabe der verbleibenden Backzeit verfolgen. Mitten im Speiseraum befindet sich eine offene Bar. Hier kann das Anrichten der Getränke mitverfolgt werden. Transparent und ehrlich möchte Cakefriends sein, Schweizer Werte wie Traditionsbewusstsein, hohe Qualität und Detailgenauigkeit vermitteln.

Augenschmaus
Bächtolds Auftrag umfasste nicht nur das Innenraumkonzept, sondern auch die Gestaltung von Möbeln, Geschirr, Speisekarte, Verpackungen für den Take-away-Bereich bis hin zur Form der Kuchen und deren Backformen. Um die unterschiedlichen Aufgaben in kürzester Zeit bewältigen zu können, arbeitete er mit anderen Fachleuten wie etwa dem Schweizer Produktdesigner Christophe Marchand und den Frankfurter Grafikdesignern Aumann & Hochmuth zusammen. Marchand unterstützte Bächtold bei der Gestaltung von Möbeln und Geschirr, Speisekarte und Verpackungen; die Frankfurter Grafiker entwickelten das Logo.
Wie bei der Kuchenteigherstellung achtete man auch bei der Innenraumgestaltung auf ausgewählte Ingredienzen: hochwertige Materialien sowie raffinierte Detaillösungen. Ein Beispiel dafür sind die quadratischen Tische aus geöltem Eichenholz, die jeweils an der Längsseite ihrer Platten einen Spalt aufweisen, in dem die Speisekarten stecken – also insgesamt vier pro Tisch. Das spart Platz auf den kleinen Speiseflächen. Und falls der Appetit der Gäste nach mehr frisch gebackenen Köstlichkeiten verlangt, kann eine Etagere auf den Tisch gesteckt und eine weitere Abstellfläche für Servierplatten und -schälchen geschaffen werden.
Als Sitzmöbel dienen mit weißem Leder bezogene Bänke sowie Würfel mit und ohne Rückenlehnen. Diese sind an der Vorderseite offen und sollen Stauraum für Handtaschen bieten genauso wie die neben der Eingangstür positionierten Schließfächer, die auch größere Gepäckstücke aufnehmen. An einem Drahtseil über den Tischen hängen Leuchten, die je nachdem, ob die Tische getrennt oder aneinander gereiht im Raum stehen, verschoben werden können.
Greift der Gast zur Kuchengabel, so hat er eine geschwungene und eine gerade Kante vor sich, mit der er das Gebäck leichter durchtrennen kann. Aktuelle Tageszeitungen stecken aufgerollt in Aluminiumrohren, die für diesen Zweck in den MDF-Wandvorbau im hinteren Teil des Speiseraums eingelassen wurden.
Übersichtlich gestaltet ist auch die Speisekarte, die in die Rubriken „Hunger süß“ (Kuchen), „Hunger salzig“ (Quiches) sowie „Durst heiß“ (heiße Getränke) und „Durst kalt“ (kalte Getränke) unterteilt ist. Zwischen den einzelnen Menüseiten findet der Gast stimmungsvolle Aufnahmen Schweizer Landschaften, die wiederum auf das Traditionsbewusstsein und den Qualitätsanspruch von Cakefriends hinweisen sollen.
Das Gestaltungskonzept beschränkt sich nicht nur auf den Innen-, sondern erstreckt sich auch auf den Außenbereich, für den Sonnenschirme, Sitzbänke und Tische aus Aluminium angefertigt wurden, die mit Lederpolstern beziehungsweise Holzauflagen bestückt werden können. Bei schlechtem Wetter lassen sich die Auflagen in einer geräumigen Alubox im Freien verstauen.
Cakefriends ist nicht nur ein Lokal für Kuchenliebhaber, sondern auch für diejenigen, die ein geschmackvolles Ambiente schätzen, das sich unauffällig, aber wie selbstverständlich in die Züricher Altstadt einfügt.

Kuchenfreuden zum Mitnehmen
Mit Kuchen Freude bereiten und Freunde finden, lautet das Motto von Cakefriends. Deshalb ist der Mitnahmeservice ein wichtiger Bestandteil der Markenphilosophie: Jeder Kuchen, der den Laden verlässt, lockt neue Kunden ins Lokal. Daher wurde besonders auf die Gestaltung des Verpackungsmaterials wie Kuchenschachteln, Tragetaschen und Geschenkbänder geachtet, die mit dem Cakefriends-Logo versehen und im Verkaufsraum neben Kuchen und Quiches ausgestellt sind.
Im Verlauf des Gestaltungsprozesses wurde auch die ursprüngliche Form der Kuchen geändert. Sie ist jetzt viel schmaler als vorher, aber dafür länger, um mundgerechter, aber auch unverwechselbar zu sein. Daraufhin fertigte man neue Backformen an und erneuerte die gesamte Produktionsstraße. Auch die Vitrinen im Verkaufsbereich erhielten eine andere Tiefe. Straßenverkauf und Lieferservice brauchten eine längere Anlaufzeit als das Lokal. „Die Cakefriends-‚Welt’ hat ihren Preis, so auch ihre Produkte. Daher möchte der Kunde sie nicht nur mit nach Hause nehmen, sondern diese Welt auch leben und das Ambiente und die Produkte vor Ort genießen“, erläutert der Innenarchitekt das Kundenverhalten. Der größere Umsatz wird weiterhin mit dem Restaurant erwirtschaftet.

Auf Expansionskurs
So leicht sich das Gastronomiekonzept dem Kunden erschließt, umso schwieriger fällt ihm die Entschlüsselung des Logos: ein weißes Kreuz und ein weißes Herz auf rotem Grund. Symbole und Farben der doppelten Bildmarke mögen bei der Mehrzahl der Betrachter Assoziationen etwa einer ärztlichen Versorgungsstation hervorrufen. Dabei soll der Entwurf der Frankfurter Grafiker Aumann & Hochmuth sowohl das Schweizer Qualitätsbewusstsein (Kreuz) als auch die Liebe zum Kuchenessen wie zu Großmutters Zeiten (Herz) verkörpern. Immerhin nehmen die Kunden die Gesamterscheinung von Cakefriends als Brand, als Markenwelt wahr, was ein großes Kompliment für den Architekten und sein Team ist. Von Anfang an wurde nach Filialen an anderen Standorten gefragt, die es bisher noch nicht gibt, die aber nach und nach entstehen sollen. Allerdings wird nicht jede Filiale gleich aussehen, „wir werden kein Copy-Paste-Verfahren anwenden, sondern jedes weitere Cakefriends-Lokal gestalterisch an die Gegebenheiten des jeweiligen Standortes anpassen“, so Bächtold. Das macht Appetit auf neue Kuchenfreuden!

www.cakefriends.ch
Autor/in: Juliane Grützner

Quelle: www.design-report.de
 

http://www.fiehn.de/